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Frankreich: Soldaten als „Versuchskaninchen“ bei Atomtests…

Posted by forgottentruth - Februar 28, 2010

Eigentlich bin ich momentan an einem anderen Thema für diesen Blog am schreiben – aus aktuellem Anlass allerdings schiebe ich den nachfolgenden Artikel mal dazwischen: vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Frankreich bei seinen Atomtests in den 50er und 60er Jahren Soldaten vorsätzlich als Versuchskaninchen benutzt und der radioaktiven Strahlung ausgesetzt hat, um die „physiologischen und psychologischen Wirkungen der Atomwaffe auf den Menschen erkunden“. Viele dieser Probanten (tausende!) erkrankten oder starben später an den Strahlungsfolgen – also ganz klar ein „Fall“ für diesen Blog… 😦

Dass Frankreich bereit ist, Überlebenden seiner Atomtests in der Sahara und dem Südpazifik zu entschädigen, steht seit Ende letzten Jahres fest: am 22.12.2009 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Entschädigung der Opfer. Allerdings ging man bisher davon aus, dass es sich dabei in erster Linie um Zivilisten in der Umgebung der Testgelände handelte, die zudem noch Schwierigkeiten haben dürften, zu beweisen, dass ihre Erkrankungen tatsächlich mit den Tests zu tun haben. Allein die Tatsache, dass die lokale Bevölkerung nicht evakuiert oder wenigstens ausreichend geschützt wurde, ist unglaublich – aber es kommt noch heftiger…

Laut einem Geheimbericht des Militärs, der nun veröffentlich wurde und aus dem vor ein paar Tagen die Zeitung „Le Parisien“ zitierte, geht hervor, dass das Militär vorsätzlich seine Soldaten der Strahlung ausgesetzt hatte, so z.B. am 25.04.1961 bei der Operation „Garigliano“, die nach der vierten, überirdischen Atombombenzündung in der Sahara stattfand. Dabei wurde bereits kurz nach der Zündung der Bombe eine Übung im kontaminierten Gebiet durchgeführt, an der allein 300 Soldaten teilnahmen, die bis auf 275 Meter an den „Punkt null“ herangeführt wurden. Das ganze (natürlich) ohne spezielle Schutzvorkehrung! Dabei sollte unter anderem untersucht werden, wie sich die Strahlung auf die Soldaten auswirkt.

Die Folge waren Strahlenerkrankungen wie Krebs oder Unfruchtbarkeit und viele „Teilnehmer“ der Versuche sind ziwschenzeitlich verstorben (deshalb klingt es für mich auch wie ein Hohn, dass erst jetzt eine Entschädigung auf den Weg gebracht wird).

Nachfolgend ein paar Zeitungsartikel aus dem deutschsprachigen Raum, sowie die aktuelle Wikipedia-Seite zu den französischen Atomtests.

Gefunden bei kurier.at:

Atomtests: Soldaten als Versuchskaninchen

In den 60ern soll Frankreich Soldaten zu Testzwecken radioaktiver Strahlung ausgesetzt haben. Die Folge war in vielen Fällen Krebs.

Die französische Armee setzte in den 60er Jahren offenbar auf menschliche Versuchskaninchen. Französische Soldaten sollen bei Atomwaffentests in Algerien vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden sein, zitiert die Zeitung Le Parisien aus einem militärischem Geheimbericht am Dienstag. Dieser Bericht aus dem Jahr 1998 wurde von einem anonymen Militärmitglied verfasst und beinhaltet den letzten oberirdisch durchgeführten Atomtest in Algerien am 25. April 1961, genannt „Gerboise verte“. In dem Militärbericht heißt es, die Versuche sollten die „physiologischen und psychologischen Wirkungen der Atomwaffe auf den Menschen erkunden, um die nötigen Elemente für die physische Vorbereitung und moralische Ausbildung des modernen Kämpfers zu erhalten“.

Operation „Gerboise verte“

Bei der Operation „Gerboise verte“ simulierten die Franzosen zwei defensive Manöver sowie die Rückeroberung einer von einer Atombombe zerstörten Position. 300 Mann wurden dafür mobilisiert. 35 Minuten nach der Explosion rückte ein Truppenteil zu Fuß bis auf 700 Meter zum Zentrum vor. Soldaten in Geländewagen folgten nach einer Stunde. „Diese Patrouille wurde 275 Meter vor dem Punkt null gestoppt“, heißt es in dem Bericht.

Als Konsequenz aus dem Versuch folgerten die Militärs, dass „der Kommandant niemals die verseuchte Zone betreten“ sollte. Weil die Mobilität der Infanteristen von Gasmasken halbiert werde, sollten die Gasmasken durch einfache Staubmasken ersetzt werden. Für die folgenden unterirdischen Atomversuche wurde beschlossen, das Absetzen der Schutzmasken „in kontaminierter Atmosphäre“ zeitweise zu erlauben. Bei zwölf der 13 unterirdischen Atomtests gelangte Radioaktivität in die Umwelt.

Krebs

Viele der Soldaten erkrankten später an Krebs und litten an anderen Verstrahlungsfolgen. Etwa 4800 noch lebende Atomtestteilnehmer sind heute Mitglied der Veteranenvereinigung Aven. Von ihnen haben 35 Prozent Krebs – nur zehn Prozent sind gesund.

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin erklärte, er kenne den Bericht nicht. Die Soldaten hätten aber „nur sehr schwache“ Strahlungsmengen abbekommen. Für 2010 hat Frankreich zehn Millionen Euro als Entschädigung für die Opfer bereitgestellt. Theoretisch kämen laut Herve Morin 150.000 Zivilisten und Militärangehörige für Zahlungen infrage. Opferverbände sehen es hingegen schwierig, genaue Opferzahlen zu schätzen, da die Menschen noch immer an den Folgen der Atomtests leiden. Morin: „Wir können die Summe erhöhen, wenn es nötig ist.“

1960 hatte Frankreich unter der Präsidentschaft von General Charles de Gaulle in Reggane in der algerischen Sahara 17 Atomtests durchgeführt, worauf laut der Gesellschaft für Bedrohte Völker drei Stämme der dort ansässigen Völker ausgestorben seien. Nach der in einem achtjährigen verlustreichen Krieg erkämpften Unabhängigkeit Algeriens 1962 wurde das Atomtestgelände nach Polynesien (Mururoa und Fangataufa) im Pazifik verlegt. Noch 16 Jahre danach hatte Frankreich Chemiewaffen in seiner ehemaligen Kolonie getestet. Insgesamt hat Frankreich 210 Versuchsbomben gezündet.

Artikel vom 16.02.2010 10:38 | apa | mn

Gefunden bei tagesschau.de:

Geheimbericht über Atomtests

Frankreich nutzte Soldaten als „Versuchskaninchen“

Frankreich hat bei seinen Atomtests in den 50er- und 60er-Jahren Soldaten vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt, um die Reaktion von Truppen in einem Atomkrieg zu untersuchen. Das geht aus einem geheimen Bericht hervor, aus dem die Zeitung „Le Parisien“ jetzt zitierte. In diesem Jahr will Frankreich zum ersten Mal Opfer seiner Atomtests entschädigen – obwohl, so Innenminister Morin, die Strahlung harmlos gewesen sei.

Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris

Die Decknamen der Atomtests damals klangen harmlos: „Grüne Wüstenspringmaus“ oder „Blaue Wüstenspringmaus“. Dabei zündete die französische Armee Atombomben in der Wüste Algeriens. Gleich nach manchen Tests – wie beispielsweise 1961 – wurden Soldaten auf einige hundert Meter an den Explosionsort herangeführt, um die physiologischen und psychologischen Wirkungen der Atomwaffe auf den Menschen zu erkunden. So heißt es in einem Geheimbericht der französischen Armee, aus dem die Zeitung „Le Parisien“ zitiert.

Einer der Soldaten, die als damals als Versuchskaninchen dienten, ist Pierre Leroy. Er wurde extra in die Sahara abkommandiert: „Als ich zur Versuchsbasis geschickt wurde, war ich jung, 20 Jahre alt. Es war atemberaubend. Vor manchen Atomtests gab es Gerüchte, dass gerade Laster mit 300 Särgen eingetroffen wären, aber wir hatten ja keine Ahnung, ob das stimmt.“

Mehrere überirdische und rund 200 unterirdische Atomwaffentests zündete Frankreich in den 60er-Jahren in der Sahara, später auf dem Mururoa-Atoll in der Südsee. Wirklich Schluss war erst 1996. Insgesamt 150.000 Militär- und Zivilangehörige waren beteiligt. Viele der Soldaten erkrankten später an Krebs und anderen Strahlungsfolgen – so wie der ehemalige Soldat Leroy, der nie Kinder zeugen konnte: „Die Armee hat die Verstrahlung, der wir ausgesetzt waren, niemals anerkannt. In meiner Militärakte steht dazu nichts. Und wir selbst konnten die Radioaktivität auch nicht messen, wir hatten keinen Geigerzähler.“

Viele Soldaten an Krebs erkrankt

Fast 5000 noch lebende Atomtest-Teilnehmer sind heute Mitglied der Veteranenvereinigung „Aven“. Von ihnen hat jeder Dritte Krebs. Nur einer von zehn ist gesund.

Morin: Strahlung harmlos

50 Jahre nach den ersten Atomtests will Frankreich in diesem Jahr erstmals Opfer entschädigen. Verteidigungsminister Hervé Morin sagte dazu: „Es war Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen und diese Menschen gerecht zu behandeln.“ Der Geheimbericht der Armee zu Strahlungsopfern sei ihm bekannt, erklärte Morin. Doch die Strahlung damals sei harmlos gewesen.

Ein Schlag ins Gesicht der Veteranen, denen das Entschädigungsgesetz jetzt nicht weit genug geht. Die vorgesehenen zehn Millionen Euro seien zu wenig. Außerdem habe Frankreich die damals betroffenen Gebiete niemals ernsthaft von Strahlung befreit.

Stand: 16.02.2010 13:44 Uhr

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