Wo Verschwörungstheorien Realität werden…

Das Schwierigste ist, zu glauben was man sieht!

Operation „Whitecoat“: Experimente mit Biowaffen an Mensch und Tier

Posted by forgottentruth - November 29, 2009

Bereits seit 1941 / 1942 gibt es in den USA auf Anweisung von Präsident Franklin D. Roosevelt ein Programm, dass die Kriegsführung mit biologischen Waffen untersuchen sollte. Das ganze nannte sich „biological warfare program“ – in einigen Publikationen auch als „bacteriological warfare“ bezeichnet – und umfasste sowohl die Produktion und Lagerung von acht verschiedenen biologischen Kampfstoffen, sowie über 150 Versuche an lebenden Objekten, so z.B. Gefängnisinsassen und Kriegsdienstverweigerern – aber auch Versuche in öffentlichen U-Bahnen! Unglaublich? Ja, aber leider wahr…

Als das Programm zu Beginn des 2. Weltkriegs in’s Leben gerufen wurde, war es ursprünglich nur zur Verteidigung gedacht, d.h. man wollte die Möglichkeiten untersuchen, Soldaten und Bevölkerung gegen biologische und chemische Angriffe zu schützen. Aber im Laufe der Jahre wurde ein Kurswechsel vollzogen und ab dem Jahr 1956 untersuchte man auch den eigenen Einsatz biologischer und chemischer Waffen. Dazu gehörte auch die Entwicklung eigener Kampfstoffe – woraus u.a. das berüchtigte „Agent Orange“ stammte, welches im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.

Aus einem „Spiegel“-Artikel aus dem Jahr 1977 geht hervor, dass im Rahmen dieses Programms z.B. auch Tests an der unwissenden Bevölkerung durchgeführt wurden. So wollte man beispielsweise untersuchen, wie sich Aerosole im U-Bahn System ausbreiten. Dazu benutzte man eine Glühbirne, die aus einem fahrenden Zug geworfen wurde, Zitat:

Sie war gefüllt mit angeblich harmlosen Bakterien des Typs Serratia marcescens. „Es verteilte sich gut durch das gesamte U-Bahn-System“, berichtete der Pentagon-Angestellte Charles A. Senseney. „Wir begannen unten um die 14. Straße herum und machten Stichproben bis hinauf zur 58, Straße — und überall war eine ganze Menge Aerosol.“

Allerdings stellte sich später heraus, dass diese Bakterien doch nicht so ungefährlich waren, wie vom Militär behauptet!

Insgesamt 239 Mal – davon unglaubliche 27 mal in der Öffentlichkeit – wurde mit den Bakterien „Serratia marcescens“ oder „Bacillus subtilis variant niger“ (auch Bacillus globigii genannt) oder den „Fungus aspergillus fumigatus“ getestet, wie man einen bakteriologischen Krieg offensiv führen und wie man sich dagegen verteidigen kann: mindestens acht amerikanische Städte und Militäreinrichtungen sind zwischen 1950 und 1966 bakteriologischen Scheinangriffen ausgesetzt gewesen!

Gesundheitliche Auswirkungen, die nach Bekanntwerden dieser und weiterer Versuche in Zusammenhang mit den Tests gebracht wurden:

  • während bakteriologischer Tests in Fort McClellan, Alabama, habe sich die Anzahl der Fälle von Lungenentzündung in der Umgebung verdoppelt
  • nach Versuchen in Key West, Florida ist ein Anstieg von Lungenentzündung um das Zehnfache und ein Anstieg dadurch bedingter Todesfälle um das Siebenfache zu verzeichnen gewesen
  • der bei Versuchen in Mechanixburg, Pennsylvania, eingesetzte Fungus aspergillus fumigatus sei keineswegs harmlos, sondern könne Aspergillose hervorrufen, eine seltene Krankheit, zu deren Symptomen Asthma-Attacken oder Infektionen der äußeren Gehörgänge zählten
  • 1967 waren nach Versuchen im Bundesstaat Utah 6400 Schafe eingegangen, weil Schwaden von Nervengas ihre Weideplätze überweht hatten -Schwaden, die ebensogut eine Stadt hätten erreichen können
  • ebenfalls in Utah waren Antikörper der venezolanischen Pferde-Gehirnhautentzündung entdeckt worden, einer Krankheit, die gemeinhin in diesen Breiten Amerikas nicht vorkommt. Amerikas Bürger waren offensichtlich jahrzehntelang als Meerschweinchen wider Willen und ohne Wissen mißbraucht worden

Ein Unterprogramm, welches auch auf der englischen Wikipedia zumindest Erwähnung findet und grob beschrieben ist, war die „Operation Whitecoat“. Im Rahmen dieser geheimen Operation, die von 1954 – 1973 durchgeführt wurde, nahmen mehr als 2.300 Personen Teil – größtenteils Kriegsdienstverweigerer, die zwar Angehörige der US-Armee waren, aber im medizinischen Dienst eingesetzt wurden. Es wird zwar beschrieben, dass die Personen freiwillig teilnahmen – allerdings ist auf der englischen Wiki-Seite auch zu lesen, dass viele der ursprünglichen Teilnehmer einen Sitzstreik durchführten, um mehr über die die Gesundheitsgefährdung der Tests zu erfahren! An deren Stelle wurden anschließend Männer der Glaubensgemeinschaft der Adventisten für die Versuche angeheuert.

Während der Tests wurden die Probanten u.a. den Erregern des Q-Fiebers, Milzbrand, Hasenpest, Bauchtyphus und Hirnhautentzündung ausgesetzt. Es wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass es bei den Tests keine Todesfälle gab – allerdings steht in der englischen Wiki auch zu lesen, dass die Armee nur von 1.000 der 2.300 Teilnehmer die Adressen hat, so dass es schwierig sein dürfte, eine seriöse Aussage über die Langzeitschäden der Tests zu treffen.

Hier ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1977, der sich dem biological warfare Programm widmet. Da mir beim Querlesen einige Tippfehler aufgefallen sind, die im eingescannten Original nicht vorhanden waren, habe ich den Scan auch nochmals als PDF bereitgestellt, der hier runterzuladen ist.

Enorme Bedrohung für die Welt

Die US-Armee experimentierte mit bakteriologischen Waffen

Pest, Gelbfieber, Milzbrand und Fleckfieber können durch Kampfstoffe verbreitet werden, die Amerikas Armee von 1949 bis 1969 erprobte — und auch heute noch nicht aus ihrem Programm gestrichen hat. Ein Unterausschuß des US-Senats untersucht zur Zeit diese Praktiken, die zu einer Reihe mysteriöser Unfälle führten.

Der Feind ist unsichtbar, nur unter dem Mikroskop auszumachen. Er flutet durch U-Bahn-Schächte in New York, hängt über dem National Airport und dem „Greyhound“-Busbahnhof von Washington, kriecht durch Autobahntunnels in Pennsylvania.

Wer ihm begegnet, muß sich übergeben, wird ohnmächtig oder fällt um, auf der Stelle tot.

So oder ähnlich jedenfalls würde es nach Meinung amerikanischer Militärs und Wissenschaftler — aussehen, wenn es denn wider alles Erwarten zum BW-Ernstfall käme.

BW steht für biological oder bacteriological warfare, den Krieg mit biologischen oder bakteriologischen Waffen, dem die meisten Staaten der Welt zwar feierlich abgeschworen haben, auf den Amerikas Politiker und Militärs aber doch vorbereitet sein möchten.

Und so probten Militärs und Wissenschaftler den BW-Ernstfall — am lebenden Objekt, an Menschen, Tieren und Pflanzen.

Beispiel: Unter den Straßen von New York, im Südteil von Manhattan, wurde eine Glühbirne aus einem fahrenden Zug geworfen. Sie war gefüllt mit dem Treibstoff Aerosol und angeblich harmlosen Bakterien des Typs Serratia marcescens. „Es verteilte sich gut durch das gesamte U-Bahn-System“, berichtete der Pentagon-Angestellte Charles A. Senseney. „Wir begannen unten um die 14. Straße herum und machten Stichproben bis hinauf zur 58, Straße — und überall war eine ganze Menge Aerosol.“

Insgesamt 239 mal — 27mal in der Öffentlichkeit, im übrigen auf verschiedenen Militärbasen in den USA — suchten die Tester zwischen 1949 und 1969 nach Erkenntnissen, wie man einen bakteriologischen Krieg offensiv führen und wie man sich dagegen verteidigen kann. Und fast immer setzten sie dabei, neben phosphoreszierenden Teilchen, neben Schwefeldioxyd und Seifenblasen, die Bakterien Serratia marcescens oder Bacillus subtilis variant niger (auch Bacillus glöbigii genannt) oder den Fungus aspergillus fumigatus ein — nach Ansicht der Army-Wissenschaftler harmlose, in der Umwelt weitverbreitete Stoffe.

Zahlen und Einzelheiten stehen in einem zweibändigen Report, den die U.S. Army im Februar abschloß und im März veröffentlichte — nachdem amerikanische Journalisten zuvor erste Einzelheiten der bis dahin geheimgehaltenen Versuche enthüllt und berichtet hatten, im Gefolge der Tests seien amerikanische Staatsbürger gestorben oder schwer erkrankt.

Mindestens acht amerikanische Städte und Militäreinrichtungen, so um die Jahreswende die auf Long Island im Staate New York erscheinende Tageszeitung „Newsday“, seien zwischen 1950 und 1966 bakteriologischen Scheinangriffen ausgesetzt gewesen.

Unverändert hatten die Militärs den Wirkstoff Serratia marcescens benutzt, obwohl der längst in den Verdacht geraten war, schuld am Ausbruch einer Infektion in San Francisco gewesen zu sein, der ein Mensch zum Opfer fiel.

Während bakteriologischer Tests in Fort McClellan, Alabama, habe sich die Anzahl der Fälle von Lungenentzündung in der Umgebung verdoppelt.

Nach Versuchen in Key West, Florida. sei ein Anstieg von Lungenentzündung um das Zehnfache und ein Anstieg dadurch bedingter Todesfälle um das Siebenfache zu verzeichnen gewesen.

Und der bei Versuchen in Mechanixburg, Pennsylvania, eingesetzte Fungus aspergillus fumigatus sei keineswegs harmlos, sondern könne Aspergillose hervorrufen, eine seltene Krankheit, zu deren Symptomen Asthma-Attacken oder Infektionen der äußeren Gehörgänge zählten.

„Wenn man mich konsultiert und gefragt hätte“, zitierte „Newsday“ den Arzt Dr. Libera Ajello vom US-Zentrum für Seuchenkrontrolle in Atlanta, „welchen Aspergillus ich für Scheinangriffe mit biologischen Waffen benutzen würde, wäre Fumigatus der letzte gewesen, den ich vorgeschlagen hätte, weil wir wissen, daß er pathogen (krankheitserregend) ist“.

Mit einem Male kamen auch frühere BW-Versuche wieder hoch. 1967 waren nach Versuchen im Bundesstaat Utah 6400 Schafe eingegangen, weil Schwaden von Nervengas ihre Weideplätze überweht hatten -Schwaden, die ebensogut eine Stadt hätten erreichen können.

Und ebenfalls in Utah waren Antikörper der venezolanischen Pferde-Gehirnhautentzündung entdeckt worden, einer Krankheit, die gemeinhin in diesen Breiten Amerikas nicht vorkommt. Amerikas Bürger. soviel schien sicher, waren jahrzehntelang als Meerschweinchen wider Willen und ohne Wissen mißbraucht worden.

Zwar dementierte die Army sofort: „Es gibt keinerlei Hinweise“, daß die Versuche „an irgendeinem der Testorte Tod durch Lungenentzündung verursachten“. Und in ihrem Report versucht sie, verständlicherweise, die „Newsday“-Enthüllungen herunterzuspielen: mit ärztlichen Gutachten, Attesten und wiederholten Hinweisen auf die „bemerkenswert gute Sicherheitsbilanz“.

Wohl seien im Fort Detrick, Maryland, dem Zentrum der amerikanischen BW-Forschung, drei Laborarbeiter ums Leben gekommen. 456 Personen hätten dort, 48 in anderen Labors Infektionen erlitten, aber das sei „besser als jeder industrielle Durchschnitt“. Die drei Todesfälle stellen eine niedrigere Sterblichkeitsrate dar als in irgendeiner anderen (verfügbaren) Übersicht über Laborinfektionen.

Tatsächlich aber bestätigt der Armee-Report im wesentlichen die ersten Presseberichte — und er verrät sogar noch ein wenig mehr: Seit Präsident Franklin D. Roosevelt 1941/42, kurz nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, das BW-Programm in Auftrag gab,

  • produzierten und lagerten die USA acht bakteriologische Kampfstoffe zum Einsatz gegen Menschen, darunter Viren und Bakterien, die Papageienkrankheit, Pest, Gelbfieber, Milzbrand und Fleckfieber auslösen;
  • veranstalteten US-Wissenschaftler über 150 Versuche am lebenden Objekt — mit Häftlingen des Staatsgefängnisses von Ohio und, im Rahmen der „Operation Weiße Weste“ (operation whitecoat), mit Kriegsdienstverweigerern der Sieben-Tage-Adventisten: Alle Testpersonen hatten sich freiwillig für Versuche mit pathogenen Stoffen zur Verfügung gestellt.

Peinlich genau listete die Army in ihrem Report jeden einzelnen Versuch auf — eingeschlossen die Zahl der Testpersonen. die Dauer des in dem einen oder anderen Fall erforderlichen Krankenhausaufenthaltes sowie das Ziel der jeweiligen Versuchsreihe. Nur über 21 „geheime Projekte“, an denen höchstens jeweils zehn Personen beteiligt waren, wurde der Schleier nicht gelüftet.

Ihren ersten Höhepunkt erreichte Amerikas BW-Rüstung 1956. Damals glaubten die Amerikaner aus einer Rede des Sowjetmarschalls Schukow auf dem 20. Parteitag der KPdSU herauslesen zu können, die Sowjets würden im Ernstfall bakteriologische und chemische Waffen zur Massenvernichtung einsetzen.

Daraufhin warfen die USA ihr 15 Jahre lang nur auf Verteidigung gegen BW-Angriffe gerichtetes Konzept über Bord und beschlossen, sich nun auch selbst auf den möglichen Einsatz bakteriologischer und chemischer Killer vor zubereiten. Die Entscheidung über der Einsatz sollte ausschließlich dem Präsidenten vorbehalten bleiben.

Fortan wurde die Produktion offensiver BW-Killerwaffen verstärkt und auch die Fests am lebenden und toter Objekt — wie Weizen- und Reispflanzen — intensiviert.

Ausdrücklich bestätigte die Eisenhower- Regierung kurz vor den Präsidentschaftswahlen von 1960 noch einmal den Kurswechsel zur offensiven bakteriologischen Kriegsführung — und fand eifrige Schüler in der folgenden Kennedy-Administration.

Im Mai 1961 bereits, vier Monate nach Amtsantritt der neuen Regierung. wies Verteidigungsminister Robert S. McNamara, heute Präsident der Weltbank, die Vereinigten Stabschefs an. die Einsatzmöglichkeiten bakteriologischer und chemischer Waffen zu analysieren und alle möglichen Anwendungsbereiche in Erwägung zu ziehen“.

Ein umfassendes Programm antworteten die Stabschefs, werde vier Milliarden Dollar kosten — was den damaligen Forschungsdirektor des Pentagon und heutigen Verteidigungsminister der Carter-Regierung, Harald Brown, nicht davon abhielt, „entschieden dem Standpunkt der Vereinigten Stabschefs zuzustimmen, daß diese Waffen ein großes Potential darstellen“. Im Pine Bluff Arsenal im Bundesstaat Arkansas wuchsen bald darauf die Vorräte an bakteriologischen Kampfstoffen, die unter anderem -weil Dauerkühlung vonnöten war — in 273 Iglus gelagert wurden. In anderen BW-Instituten wurde eifrig an der Entwicklung neuer Waffen geforscht.

Dazu gehörten auch jene Herbizide. die Amerika bald darauf im Vietnamkrieg einsetzte, um den Dschungel Südostasiens zu entlauben. Das waren „war im Wortsinn keine bakteriologischen Waffen — doch Amerika geriet in den Augen der Weltöffentlichkeit zunehmend in den Verdacht, in Vietnam einen bakteriologischen Krieg zu führen. Am 25, November 1969 schließlich. nicht zuletzt unter dem Druck der Vereinten Nationen, verpflichtete sich Präsident Richard Nixon für die Vereinigten Staaten zum absoluten Verzicht auf den Einsatz bakteriologischer Waffen.

Ein Ende der Experimente mit BW-Kampf- oder — Ersatzstoffen aber bedeutete das keineswegs. Zwar wurden bis Februar 1973 bakteriologische Kampfstoffe vernichtet, die Produktionsstätten sterilisiert und entweder an die Privatindustrie oder an andere Regierungsbehörden verkauft. Von der Vernichtung ausgenommen jedoch wurden solche Wirkstoffe, die erforderlich sind für die defensive BW-Forschung“ (Army-Report>.

Die beiden blauen Report-Bände der Army sind denn auch offensichtlich nur ein Teil der ganzen Wahrheit –Grund genug für einen Unterausschuß des Senats (Vorsitzender: Edward Kennedy), hearings über das gesamte System der bakteriologischen Kriegsführung Amerikas zu beginnen.

Gleich zu Beginn der Beratungen veröffentlichte Kennedy selbst die Zusammenfassung eines bis dahin geheimen CIA-Berichts über die Erfahrungen des Geheimdienstes mit bakteriologischen Waffen.

Der CIA-Vorläufer OSS, so ergab sich daraus, hatte zumindest einmal bakteriologische Kampfstoffe sogar eingesetzt: Um die Teilnahme des deutschen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht an einem Wirtschaftstreffen zu vereiteln, wurde ihm eine Lebensmittel-Vergiftung verabreicht.

Es war vermutlich das erste Eingeständnis, daß auch die USA schon offensiv bakteriologisch Krieg geführt haben — wenngleich nicht enthüllt wurde, wann und wie die OSS-Agenten dem deutschen Finanzmann die Lebensmittelvergiftung verpaßten.

Und wenig später enthüllte der BW-Experte Lowell Poule, ein Spezialistenteam aus Fort Detrick habe 1969/ 1970 einen Scheinangriff gegen die Klimaanlagen des Capitols und des Weißen Hauses sowie gegen Trinkwasser in einem Bundesgebäude geführt. Poule: „Wären die Teams der Army richtige Terroristen gewesen, der Präsident und der ganze Kongreß wären umgekommen.“

Einzelheiten dieser Versuche — die von der Army sofort dementiert wurden — sowie anderer Tests von Army und CIA will Poule in einem Buch veröffentlichen, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Auch die Protokolle der Kennedy-Hearings werden binnen kurzem gedruckt vorliegen und den Army-Report gewiß ergänzen — vielleicht auch dort, wo jetzt nur sybillinisch steht: Im Interesse einer wirksamen Verteidigung Amerikas gegen einen BW-Angriff können Scheinangriffe veranstaltet werden, wenn zusätzliche Daten nötig sind“.

Will heißen: Auch nach dem Verzicht Amerikas auf den Einsatz bakteriologischer Waffen, auch nach der Veröffentlichung des Army-Reports könnte es durchaus sein, daß wieder angeblich harmlose Bakterien durch U-Bahn-Schächte und Autobahntunnel fluten.

Dr. Alexander D. Langmuir, über 20 Jahre lang einer der führenden Männer des Zentrums für Seuchenkontrolle in Atlanta:,, Der bakteriologische Krieg stellt nach wie vor eine enorme Bedrohung für die Welt dar, die Vereinigten Staaten benötigen daher ein fortlaufendes BW-Programm.“

DER SPIEGEL 21 / 1977

Alle Rechte vorbehalten

Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Neben diesem Artikel habe ich auch noch einen Text aus der NZZ Folio gefunden, den ich hier einstellen möchte. Er beschreibt den Ablauf eines der o.g. „operation Whitecoat“ Experimente mit Q-Fieber Erregern aus Sicht des Probanten Lloyd Long. Mir persönlich ist er zwar etwas zu unkritisch (alles Friede, Freude, Eierkuchen) – aber um einen etwas besseren Einblick in die Versuche zu bekommen, vielleicht ganz interessant.

NZZ Folio 04/03

Das Experiment — Atmet ruhig, ganz ruhig

Am 12. Juli 1955 sassen 30 Adventisten auf Barhockern in der Wüste: ein Biowaffentest auf Amerikanisch.

Von Reto U. Schneider

ALS DIE SIRENE kein zweites Mal heulte, wusste Lloyd Long, dass es in dieser Nacht ernst galt. Vor sechs Tagen war der 18-Jährige mit einer Gruppe Freiwilliger in der Nähe des Testgeländes Dugway in der Wüste Utahs angekommen. Seither spielte sich jeden Abend dasselbe Prozedere ab: Kurz vor Sonnenuntergang wurden er und die andern Männer von einem Lastwagen abgeholt und in ein verlassenes Stück Wüste gefahren. Dort wuschen sie sich unter provisorischen Freiluftduschen, zogen sich frische Kleider an und gingen mit einer Decke unter dem Arm an ihren zugewiesenen Platz: zu einem der barhockerähnlichen Stühle, die in einer fast einen Kilometer langen geraden Linie auf dem gepressten Sand bereitstanden. Auf Podesten zwischen den Hockern hatte es Käfige mit Rhesusaffen und Meerschweinchen.

Immer wenn die Sirene losging, musste Lloyd Long in Richtung des Bergs Granite Peak blicken und ruhig atmen. «Denkt daran», hatte Oberst William Tigertt, der für das Experiment verantwortliche Armeearzt, gesagt, «wenn ihr die Pumpen hört, atmet ruhig. Atmet ganz ruhig.» Normalerweise ging die Sirene dann ein zweites Mal los: das Zeichen, dass das Experiment wegen schlechter Windbedingungen nicht durchgeführt werden konnte. Die Männer wechselten wieder ihre Kleider und wurden zu den Baracken gebracht.

Doch in dieser Nacht des 12. Juli 1955 war der Wind ideal. Eine leichte Brise wehte vom Granite Peak her, und Lloyd Long konnte die Pumpen hören, die etwa einen Kilometer von ihm entfernt einen knappen Liter Bakterienbrühe in die Nacht sprühten. Für den Test war der Erreger des Q-Fiebers ausgewählt worden, das starke Kopf- und Muskelschmerzen und hohes Fieber verursacht. Die Krankheit verläuft meistens harmlos, doch durchschnittlich einer von dreissig Erkrankten starb damals daran. Lloyd Longs Gruppe bestand aus dreissig Leuten.

Long spürte kaum etwas vom dünnen Nebel, der über ihn wegzog. Erst als Leute in Schutzanzügen auftauchten, wusste er, dass es vorbei war. Er musste duschen, sich unter eine Ultraviolettlampe stellen, die verbleibende Mikroben abtötete, und noch einmal duschen. Seine Kleider wurden verbrannt. Darauf wurde die ganze Gruppe nach Fort Detrick in der Nähe von Washington geflogen. Der erste und nach Aussagen der amerikanischen Armee bis heute einzige Freisetzungsversuch mit biologischen Waffen an Menschen ging in die zweite Phase.

Die amerikanische Regierung wusste damals, dass Japan im Zweiten Weltkrieg umfangreiche Experimente mit Biowaffen gemacht hatte, und sie vermutete, dass auch Moskau ähnliche Versuche durchführte. Öffentlich verurteilten die USA die biologischen Waffen zwar, doch im Geheimen begannen sie 1943 selber daran zu forschen. Als Hauptsitz der Wissenschafter diente Fort Detrick. Dort wurden Tierversuche gemacht, um die Eignung verschiedener Krankheitserreger als Waffen zu prüfen und Impfungen für die eigene Truppe zu entwickeln. Doch vom Tier auf den Menschen zu schliessen, war schwierig. Die Militärs kamen zum Schluss, dass nur Tests mit Menschen sie weiterbringen konnten.

Dass Menschen in der Medizin als Versuchskaninchen eingesetzt werden, ist nicht ungewöhnlich. Jedes Medikament wird vor seiner Einführung von Versuchspersonen eingenommen. Diese Tests hatten einzig die Nuance, dass dabei nicht versucht wurde, Leute mit einem Medikament zu heilen, sondern sie mit einem Erreger krank zu machen. Doch solange das mit dem Einverständnis der Betroffenen geschah, sahen die Leute in Fort Detrick kein Problem.

In der amerikanischen Armee gab es eine Gruppe von Soldaten, die sich besonders gut für diese Aufgabe eigneten. Die Männer der Glaubensgemeinschaft der Adventisten leisteten zwar aus religiösen Gründen keinen Dienst mit der Waffe, waren aber aussergewöhnlich gesund: Sie rauchten nicht und tranken weder Alkohol noch Kaffee. Zudem waren viele von ihnen Vegetarier. «Man musste sich nicht fragen, ob sie Symptome zeigten, weil sie Samstagnacht betrunken waren», beschrieb ein Kirchenmann die Vorzüge des seriösen Lebenswandels für die medizinische Forschung.

Oberst Tigertt kontaktierte die Kirchenführung, die sich schnell von der Ehrenhaftigkeit der Aufgabe überzeugen liess und den Plan, Adventisten für die Tests zu gewinnen, offiziell guthiess. Zwischen 1955 und 1973 meldeten sich 2200 junge Männer für diesen Dienst. Der Codename für die 153 streng geheimen Experimente – unter anderem mit Milzbrand, Hasenpest, Bauchtyphus und Hirnhautentzündung – lautete Operation Whitecoat.

Die ersten Tests waren jene Q-Fieber-Experimente, an denen Lloyd Long teilnahm. Vor dem Freilandversuch in Utah kam allerdings der «Eight Ball» zum Einsatz, eine dreizehn Meter hohe Hohlkugel aus rostfreiem Stahl in Fort Detrick, die die Angestellten nach der schwarzen Kugel im Pool-Billard benannt hatten.

Wenn Tests anstanden, betraten die Adventisten die telefonzellengrossen Kammern am Rand des «Eight Ball». Dort zogen sie sich Atemmasken an, die mit dem Inneren der Kugel verbunden waren. Ein Techniker konnte dann ferngesteuert Bakterien oder Viren im Innern der Kugel versprühen. Die Männer atmeten das Gemisch eine Minute lang ein und wurden dann sofort auf die Krankenstation gebracht, isoliert und beobachtet.

Dasselbe geschah nach der Rückkehr aus Utah: Die Männer warteten in Einzelzimmern mit Fernsehern, Büchern und Spielen auf die hämmernden Kopfschmerzen, die den Ausbruch des Q-Fiebers ankündigten. Etwa ein Drittel der Männer wurde tatsächlich krank. Die Schwere der Symptome war abhängig davon, ob sie bei den vorangegangenen Experimenten mit dem «Eight Ball» immun geworden waren. Auch die Position ihres Hockers in der Wüste war entscheidend. Lloyd Long, am Rand positioniert, war nach einem Tag im Bett wieder fit. Alle Versuchsteilnehmer wurden wieder vollkommen gesund.

Heute sind die meisten Whitecoat-Veteranen stolz auf ihren Einsatz. «Ich kenne keinen, der dabei war und später das Gefühl hatte, betrogen worden zu sein», sagt Lloyd Long, jetzt 66-jährig und pensionierter Versicherungsagent. Einige der Whitecoat-Freiwilligen werden seit dem Anschlag auf das World Trade Center und der wachsenden Angst vor Bioterrorismus regelmässig von Journalisten interviewt. Zwar gibt es Stimmen, die die engen Beziehungen zwischen der Armee und der Kirche der Adventisten kritisieren, auch wurde bereits in den sechziger Jahren die Frage aufgeworfen, ob eine Kirche, die Gewaltlosigkeit predigt, ein Biowaffenprojekt unterstützen dürfe. Gemessen an den damaligen Bräuchen, stellen Ethiker der Operation Whitecoat aber gute Noten aus. Die Freiwilligen wurden wiederholt über die Risiken informiert und konnten jederzeit aussteigen. Trotzdem würden solche Experimente heute kaum mehr bewilligt: Das Risiko für ein so empfindliches Organ wie die Lunge ist einfach zu gross.

Die in die Wüste entlassenen Bakterien wurden am nächsten Tag vom Sonnenlicht getötet. Von den zusätzlichen Meerschweinchen, die man am Highway 40, 55 Kilometer vom Testgelände entfernt, placiert hatte, erkrankte keines.

Last but not least noch der aktuelle Eintrag aus der englischen Wikipedia zur „Operation Whitecoat“:

Operation Whitecoat

From Wikipedia, the free encyclopedia

Operation Whitecoat was the name given to a secret operation carried out by the US Army during the period 1954-1973, which included conducting medical experiments on volunteers nicknamed „White Coats“. The volunteers, all conscientious objectors and many members of the Seventh-day Adventist Church, consented to the research before participating. The stated purpose of the experiments was to defend troops and civilians against biological weapons, and it was believed that the Soviet Union was engaged in similar activities.

Experiments

Over 2300 U.S. Army soldiers, most of which were trained medics, contributed to the experiment by allowing themselves to be infected with viruses and bacteria that were considered likely choices for a biological attack. Whitecoat volunteers were exposed to Q fever, yellow fever, Rift Valley fever, Hepatitis A, Yersinia pestis (Plague), tularemia (rabbit fever), and Venezuelan equine encephalitis and other diseases. Also referred to as „white coats“[1], the volunteers were then treated for the illnesses to determine the effectiveness of antibiotics and vaccines. Some soldiers were given two weeks of leave in exchange for being used as a test subject. These experiments took place at Fort Detrick which is a US Army research center located outside Washington, D.C.[2]

This experiment is a good example of the proper employment of informed consent as dictated by the Nuremberg Code. The volunteers were allowed to consult with outside sources such as family and clergy members before deciding to participate. The participants were required to sign consent forms after discussing the risks and treatments with a medical officer. Of the soldiers that were approached about participating, 20% declined.[3] Much of the testing remains classified and Fort Detrick allows no visitors. Not even ex-soldiers who were exposed as part of the tests can visit.

Results

Many of the vaccines that protect against bio-warfare agents were first tested on humans in Operation Whitecoat.[4]

According to USAMRIID, the Whitecoat operation contributed to vaccines approved by the U.S. Food and Drug Administration (FDA) for yellow fever and hepatitis; investigational drugs for Q fever, Venezuelan equine encephalitis, Rift Valley fever, and tularemia. USAMRIID also states that Operation Whitecoat helped develop biological safety equipment including hooded safety cabinets, decontamination procedures, fermentors, incubators, centrifuges, and particle sizers.[5]

US accountability office report

The United States Government Accountability Office issued a report on September 28, 1994, which stated that between 1940 and 1974, the United States Department of Defense and other national security agencies studied hundreds of thousands of human subjects in tests and experiments involving hazardous substances.

A quote from the study:

“ Many experiments that tested various biological agents on human subjects, referred to as Operation Whitecoat, were carried out at Fort Detrick, Maryland, in the 1950s. The human subjects originally consisted of volunteer enlisted men. However, after the enlisted men staged a sitdown strike to obtain more information about the dangers of the biological tests, Seventh-day Adventists who were conscientious objectors were recruited for the studies.[6] ”

Long term health effects

No Whitecoats died during the tests, nor are there any known post-test deaths attributable to the experiments.[1] The Army only has addresses for 1000 of the 2300 people known to have volunteered.[4] Only about 500 (23%) of the whitecoats have been surveyed and the military chose not to fund blood tests.[1] A handful of respondents claim to have lingering health effects[4], and at least one subject claims to have serious health problems as a result of the experiments.[1]

See also

  • US Senate Report on chemical weapons
  • Project SHAD
  • Tuskegee Syphilis Study
  • US Biological Weapon Testing

Notes

1. „Operation Whitecoat„. PBS Religion & Ethics NewsWeekly. 2003-09-24.

2. „Hidden history of US germ testing„. BBC. February 13 2006.

3. Stephenson, Jeffery; Arthur Anderson (2007). „Ethical and Legal Dilemmas in Biodefense Research“ (pdf).

4. Snyder, David; staff researcher Bobbye Pratt (2003-05-06). „The Front Lines of Biowarfare„. Washington Post.

5. Linden, Caree (2005-06). „USAMRIID Celebrates 50 Years of Science“. U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Diseases.

6. „Staff Report prepared for the committee on veterans‘ affairs December 8, 1994 John D. Rockefeller IV, West Virginia, Chairman.„.

External links

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: